Ostholstein

Piloten gesucht

Drohnen-Piloten sollen Leben retten

ASB in Heiligenhafen bildet Ehrenamtler für eine Überwachung von Einsatzorten aus der Luft aus - Flugobjekte sollen bei Bränden oder Personensuche unterstützen - Drohnenstaffel landesweit Vorbild. Christopher Becker schaut gebannt auf das Flugobjekt, die Finger korrigieren an der Fernsteuerung minimal die Flugbahn, sodass die Drohne auf einer Stelle zu schweben scheint. Der Großenbroder zählt zu den fünf Ehrenamtlern, die derzeitig beim ASB in Heiligenhafen das Steuern einer Drohne erlernen. Die Drohnen-Gruppe des ASB ist bisher einmalig in Schleswig-Holstein und könnte demnächst auch landesweit zum Einsatz kommen.

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Drohnen stehen beim ASB Ostholstein zur Unrterstützung von Hilfskräften zur Verfügung

Seit rund drei Wochen ist die Drohnen-Gruppe jetzt auch bei der Einsatzleitstelle gemeldet und kann damit jederzeit zum Einsatz kommen. Den Nutzen der mit Kameras ausgestatteten Drohnen erläutert ASB-Geschäftsführer Udo Glauflügel, der ebenfalls zur Gruppe der Drohnen-Piloten zählt: „Bei größeren Unfällen oder Bränden können Einsatzschwerpunkte aus der Luft viel besser ausgemacht werden. "
Ein weiterer Schwerpunkt sei die Personensuche: „Zum Beispiel, wenn Demenzkranke aus einem Seniorenheim als vermisst gemeldet werden" , sagt Glauflügel. Für Einsätze bei Bränden und für die Personensuche bei Nacht hofft der ASB, in absehbarer Zukunft noch eine Infrarot- und Wärmebildkamera anschaffen zu können. Auch bei einem Chemieunfall kann Glauflügel sich den Einsatz der fliegenden Beobachter vorstellen: „ Die Drohne kann zum Beispiel das Warnschild auf einem Gefahrengüter-Transporter identifizieren, ohne dass sich dafür ein Mensch in die Gefahrenzone begeben muss. "
Bei der Personensuche wie auch bei anderen Einsatzbereichen können verschiedene Suchmuster einprogrammiert werden, nach denen das Gebiet Schritt für Schritt abgesucht wird. Die Drohnen liefern dann ihre Bilder mittels Kamera direkt in das Fahrzeug der Einsatzleitung.
Ausbilder der Drohnen-Piloten ist Jörg Kreiser. Der Fehmaraner fliegt seit fünf Jahren Drohnen, hat darüber hinaus seit über 30 Jahren Erfahrungen mit motorisierten Modellflugzeugen. Was man bei ihm als erstes lernt? „ Zunächst einmal die Flugvorschriften lesen", sagt Kreiser bestimmt. Nicht über Menschen, nicht über Industrie- und Militäranlagen, nicht in Sperrzonen, nicht über 100 Meter und nur bei Sichtkontakt mit der Drohne, lauten die Vorschriften zum Einsatz unter anderem. Dann die erste Flugstunde: „Man muss ein Feingefühl für die Motorik entwickeln, räumlich denken können und übt auch das entgegengesetzte Manövrieren" , so Kreiser. Und Udo Glauflügel ergänzt: „Verantwortungsgefühl sollte man mitbringen. So eine Drohne ist kein Spielzeug. "
Christopher Becker bringt viele dieser Voraussetzungen schon mit. Seit Jahren hat er Modellflugzeuge geflogen, räumliches Denken und entgegengesetztes Manövrieren fallen ihm von daher nicht ganz so schwer. Im Ernstfall bedienen immer zwei Personen die Drohne. Einer fliegt die Drohne, der andere hält Sichtkontakt, beobachtet den Monitor und hält über Funk Kontakt mit der Einsatzleitung. Bis zu 25 Minuten können die beiden kleinen, bis 40 Minuten die große Drohne in der Luft bleiben. „Was passiert denn, wenn der Akku leer ist" , wollte Glauflügel einmal wissen. „Das wirst Du dann schon sehen", antwortete Kreiser mit einem Augenzwinkern. Die 25 Minuten waren gerade vorbei, als die Drohne näher und näher kam und Glauflügel ein mulmiges Gefühl überkam. Die Auflösung: Geht der Akku zur Neige, findet sich die Drohne automatisch wieder an ihrem gespeicherten Ausgangsort ein.
Es gibt also einiges zu lernen für die Drohnen-Piloten. Einen ersten Test hat die neue Einsatztruppe bestanden. Bei einer simulierten Personensuche in der Nähe eines Altenheimes konnte die vermisste Person gefunden werden.

Piloten gesucht
Für die Überwachung von Einsatzorten aus der Luft sucht der ASB Heiligenhafen noch weitere ehrenamtliche Helfer. „Die Grundkenntnisse zum Fliegen einer Drohne können an vier Wochenenden vermittelt werden, wobei wir bei der Terminierung der Wochenenden flexibel sind", sagt Ausbilder Jörg Kreiser.
Wer Interesse hat, kann sich an das Büro des ASB Ostholstein in Heiligenhafen (043 62/ 90 04 50) wenden.

Thomas Klatt, Lübecker Nachrichten 15-JUN-2016