Ostholstein

Chronik ASB Ostholstein

1978/79 - Die Schneekatastrophe

Erinnert werden soll im Rahmen der Ortsverbands-Geschichte auch an die sogenannte „Schneekatastrophe" zum Jahreswechsel 1978/79, die auch die ASB-Helfer längere Zeit in Atem hielt. Heiligenhafen und die Insel Fehmarn waren damals zweimal mehrere Tage von der Außenwelt abgeschnitten.

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Die Katastrophe nimmt ihren Lauf
Vom 29. Dezember 1978 bis in die ersten Stunden des Jahres 1979 führten heiftige Schneestürme in weiten Teilen Schleswig-Holsteins zu unterbrochenen Verkehrs- und Stromverbindungen. Zusätzlich kam es durch den starken Sturm auch noch zu Hochwasser. Auch Heiligenhafen und Umgebung sowie die Insel Fehmarn waren stark betroffen. Es wurde Katastrophenalarm ausgelöst und ein Fahrverbot für Privat-PKW erlassen.

Hier einige Auszüge aus einem Presseartikel der „Heiligenhafener Post" vom 2.1.1979:
... Die Alarmierung des ASB-K-Zuges erfolgte am Freitagabend. Da auch die auswärtigen Katastrophenschutzhelfer Heiligenhafen nicht erreichen konnten, war man auf die einheimischen Helfer angewiesen.
Mit zwei Großraumkrankenwagen und unterstützt von einer Schneefräse versuchten ASB-Helfer einen Braunschweiger Reisebus mit 31 Insassen aus den Schneemassen zu befreien. Nach sieben Stunden Einsatz kam gegen 4 Uhr morgens die erste Erfolgsmeldung über Funk. Die Reisenden, welche 22 Stunden im Bus verbracht hatten, konnten stark unterkühlt in ihre Quartiere gebracht werden.

Auch auf Fehmarn tobt der Schneesturm
Ein allradgetriebenes ABC-Gerätefahrzeug der Feuerwehr wurde nach Fehmarn beordert und stellte dort mit Unterstützung des ASB den Rettungsdienst sicher. In Marathoneinsätzen wurden Personen mit Erfrierungen aus liegengebliebenen Autos geborgen. Sorgen bereitete die Versorgung eines mit 12 Personen besetzten Schützenpanzers bei Heiligenhafen. Alle sechs Stunden schleppten die ASB-Helfer Verpflegung und Treibstoff zum Betrieb der Heizung durch die Schneelandschaft. Als der Sturm noch zunahm, entschloss man sich von Seiten des ASB dazu die Personen mittels auf Schlitten gebauter Tragen zu befreien und den letzten Teil des Weges mit den Großraumkrankenwagen ins Krankenhaus zu bringen.

Krankentransport mit Panzer und Helikopter
Der Krankentransport in Heiligenhafen konnte z.B. teilweise nur durch den Einsatz des zuvor eingeschlossenen Schützenpanzers vom Typ M 113 aufrecht erhalten werden. Viele Kranke, Verletzte und auch Schwangere wurden mit Hubschraubern von Bundesgrenzschutz und Bundeswehr ausgeflogen.

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Mehl kam aus der Luft
Nachdem den Bäckern das Mehl ausgegangen war, wurden per Hubschrauber mehrere Tonnen Mehl eingeflogen, von Feuerwehr und ASB entladen und mit den großen ASB-Krankenwagen von der Hubschrauberlandestelle am damaligen Landeskrankenhaus durch die Schneemassen zu den einheimischen Bäckern transportiert.

Und im Februar kam der Schnee-Sturm noch einmal zurück
Ende Februar 1979 übrigens, kam der Winter mit teilweise noch stärkeren Schneeverwehungen zurück und die Einsätze wiederholten sich in ähnlicher Form.

Damalige Fahrzeuge haben sich bewährt
Bei beiden Einsätzen, die jeweils über mehrere Tage gingen, wurden die Kräfte aller beteiligten Hilfsorganisationen bis auf Äußerste und in heute fast unvorstellbarer Weise beansprucht. Übrigens, die damals beim ASB eingesetzten Katastrophenschutz-Fahrzeuge, die Großraumkrankenwagen vom Typ Ford FK, mit Schneeketten bestückt , hatten sich damals im Schnee sehr gut bewährt, obwohl sie nicht allradgetrieben waren.

Heute wäre eine ähnliche Lage schwieriger zu bewältigen
Mit den standardmäßig vorhandenen Katastrophenschutz-Fahrzeugen, die dem ASB Ostholstein von Bund und Land zur Verfügung stehen, wären Einsätze dieser Art in der heutigen Zeit nicht mehr möglich.
Auch der Bestand an Hubschraubern ist nach der Bundeswehrreform bei weitem nicht mehr so groß wie früher – und Panzer gibt es gar keine mehr im Lande Schleswig-Holstein.
Aus diesem Grund ist der ASB glücklich darüber, seit dem Jahre 2015 einen eigenen gelängegängigen Unimog-Krankenwagen aus dem Bestand der Bundeswehr zur Verfügung zu haben, um notfalls damit bei Schnee oder Hochwasserlagen helfend eingreifen zu können.

 

Unterstehende Bildshow mit Bildern von Jörg Bochnik (farbig) und Peter Foth (schwarzweiß) zeigen das Ausmaß der beiden aufeinanderfolgenden Schneekatastrophen in Heiligenhafen und auf der Insel Fehmarn.